Wann Tanken am günstigsten ist: Preisregeln seit April 2026
Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal am Tag erhöhen, um 12 Uhr. Damit hat der Tagesverlauf eine feste Form, und die alte Regel „abends tanken“ gilt nicht mehr. Die Uhrzeit bringt aber nur einige Cent; mehr bewirken die Wahl der Tankstelle, das Meiden der Autobahn und bei Grenznähe das Nachbarland.
Preiserhöhung nur um 12 Uhr
Das Kraftstoffpreisanpassungsgesetz erlaubt öffentlichen Tankstellen eine einzige Preiserhöhung pro Tag und Kraftstoffsorte, um 12 Uhr mittags. Senkungen sind jederzeit erlaubt, beliebig oft. Verstöße kosten bis zu 100.000 € Bußgeld; die Einhaltung prüft das Bundeskartellamt über die Preismeldungen an die Markttransparenzstelle. Nach einem Jahr wird das Gesetz evaluiert. Vorbild ist Österreich, wo eine vergleichbare Regel seit 2011 gilt.
Vor der Neuregelung änderten sich die Preise an einer Station 20- bis 22-mal am Tag, mit mehreren Sprüngen nach oben. Heute sind es im Schnitt sechs bis sieben Änderungen, davon nur eine nach oben. Daraus ergibt sich ein Tagesverlauf in drei Phasen:
- 1
Vormittag bis kurz vor 12 Uhr
Es gilt der Preis nach allen Senkungen seit dem Vortag. Meist das günstigste Fenster des Tages.
- 2
12 Uhr und kurz danach
Die Stationen heben an, oft um mehrere Cent auf einmal. Der Tagespreis erreicht seinen Höchststand.
- 3
Nachmittag und Abend
Der Preis sinkt in kleinen Schritten, bleibt abends aber meist etwas über dem Vormittagswert.
Das Gesetz begrenzt nur die Häufigkeit, nicht die Höhe einer Erhöhung. Die Tankstelle kann um 12 Uhr also so weit anheben, wie sie will; ein niedrigerer Durchschnittspreis ist damit nicht garantiert.
Günstige Tageszeiten und Wochentage
Nach Auswertungen von Bundeskartellamt und ADAC vom Mai 2026 ist Tanken vormittags am günstigsten und um 12 Uhr am teuersten. Abends liegt der Preis meist über dem Vormittagswert, weil die Stationen den Mittagsaufschlag nur teilweise wieder abbauen. Die Spanne zwischen Höchst- und Tiefstpreis eines Tages beträgt je nach Region und Tag einige Cent bis über 10 Cent.
| Zeitfenster | Preislage | Grund |
|---|---|---|
| 6 bis 11:45 Uhr | niedrig | Preis nach allen Senkungen seit dem Vortag, keine Erhöhung erlaubt |
| 12 bis 13 Uhr | am höchsten | einzige erlaubte Preiserhöhung des Tages |
| 13 bis 20 Uhr | sinkend | nur noch Senkungen, Wettbewerb zwischen Stationen |
| ab 20 Uhr | meist etwas über dem Vormittag | Abbau des Mittagsaufschlags bleibt unvollständig |
- Wochentage: Freitag und Sonntag lagen in Analysen 2–4 Cent unter dem Wochenschnitt.
- Ferien und Feiertage: Zu Ferien- und langen Wochenenden ziehen die Preise oft an. Vor der Urlaubsfahrt am Vortag vormittags volltanken.
- Tankrhythmus: Wer den Tank leerfährt, muss tanken, wo und wann es gerade geht. Wer bei einem Drittel Füllstand auf einen günstigen Moment achtet, hat die Wahl.
Bei 50 l Füllung und 6 Cent Unterschied zwischen 12 Uhr und Vormittag sind das 3 € pro Tankfüllung, bei 25 Füllungen im Jahr 75 €. Wer im Spritrechner den Literpreis für Pendel- oder Jahreskosten einträgt, nimmt deshalb den eigenen Durchschnittspreis, nicht den Höchstwert vom Mittag.
Tank-Apps mit Daten der Markttransparenzstelle
Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) beim Bundeskartellamt erhält von allen öffentlichen Tankstellen jede Preisänderung für Super E5, Super E10 und Diesel innerhalb von fünf Minuten. Zugelassene Verbraucherinformationsdienste geben die Daten kostenlos weiter, unter anderem ADAC Spritpreise, clever-tanken, mehr-tanken, billigtanken und die Navigationssysteme vieler Autos. Ein Vergleich vor dem Tanken spart bis zu 10 Cent je Liter, bei 45 l also 4,50 €.
- Die richtige Sorte wählen: E10, E5 und Diesel haben eigene Preise, der Abstand zwischen ihnen wechselt.
- Den Umkreis auf die eigene Strecke legen, etwa den Arbeitsweg, statt die günstigste Station der ganzen Stadt zu suchen.
- Den Preisverlauf einer Station ansehen: Er zeigt, wie stark sie um 12 Uhr anhebt und wann sie abends senkt.
- Einen Preisalarm setzen, wenn die App ihn anbietet, und bei Unterschreiten tanken.
- Den Zeitpunkt der letzten Meldung prüfen, bevor man einen Umweg fährt.
Autogas (LPG), Erdgas (CNG), AdBlue und Ladestrom sind nicht meldepflichtig. Ihre Preise zeigen einige Apps aus Nutzermeldungen, mit entsprechend geringerer Aktualität. Rabatte über Kundenkarten oder Bonusprogramme liegen meist bei 1–2 Cent je Liter und lohnen sich nur, wenn die Station ohnehin auf der Strecke liegt.
Freie Tankstellen und Autobahnraststätten
Freie Tankstellen und Supermarkt-Tankstellen sind oft einige Cent günstiger als Markenstationen und reagieren schneller mit Senkungen. Der Kraftstoff erfüllt dieselbe Norm (DIN EN 228 für Benzin, DIN EN 590 für Diesel), Qualitätsunterschiede bestehen nur bei Premiumsorten mit Zusätzen. Der größte Preisabstand liegt an der Autobahn: Raststätten verlangen typischerweise 15–30 Cent je Liter mehr als Stationen im Umland.
| Stationstyp | Preisabstand je Liter | Differenz pro Füllung |
|---|---|---|
| Markentankstelle in der Stadt | Bezugswert | 0 € |
| Freie Tankstelle, Supermarkt | 2–4 ct günstiger | 1–2 € gespart |
| Autohof an der Autobahn | etwa wie Umland | 0–3 € mehr |
| Autobahnraststätte | 15–30 ct teurer | 7,50–15 € mehr |
Autohöfe liegen direkt an einer Ausfahrt, sind mit einem eigenen Schild angekündigt und kosten meist kaum mehr als normale Stationen. Wer auf langen Fahrten mit mindestens einem Viertel Tankinhalt plant, kann Raststätten fast immer umgehen.
Umweg zur günstigeren Tankstelle rechnen
Ein Umweg lohnt sich nur, wenn die Ersparnis an der Zapfsäule größer ist als die Kosten der zusätzlichen Kilometer. Als Umweg zählen Hin- und Rückweg zusammen, also die gesamte Strecke, die ohne den Tankstopp nicht gefahren worden wäre.
Umweg lohnt, wenn Preisvorteil (€/l) × Liter > Umweg-km × Kosten je km
Kosten je km = Verbrauch × Literpreis ÷ 100
Mindest-Preisvorteil = Umweg-km × Kosten je km ÷ Liter
Verbrauch 7 l/100 km bei 2,15 €/l ergibt 7 × 2,15 ÷ 100 = 0,15 €/km.
35 l tanken, 8 Cent je Liter günstiger, 8 km Umweg: 35 × 0,08 = 2,80 € Ersparnis minus 8 × 0,15 = 1,20 € Umwegkosten, netto 1,60 €.
20 l tanken, 4 Cent Vorteil, 12 km Umweg: 0,80 € Ersparnis gegen 1,80 € Umwegkosten, ein Minus von 1,00 €.
so viel wird getankt
ohne Umweg erreichbar
laut Tank-App
nur die Zusatzstrecke
gemessener Durchschnitt
üblich rund 5 ct/km, 0 = nur Sprit
| Umweg gesamt | 20 l | 35 l | 50 l |
|---|---|---|---|
| 4 km | 3,0 | 1,7 | 1,2 |
| 8 km | 6,0 | 3,4 | 2,4 |
| 12 km | 9,0 | 5,1 | 3,6 |
| 20 km | 15,0 | 8,6 | 6,0 |
Die Tabelle rechnet nur mit Spritkosten. Mit rund 5 Cent Verschleiß je Kilometer steigen die Kosten auf 0,20 €/km und der nötige Preisvorteil um ein Drittel. Die Fahrzeit ist in keiner Variante enthalten.
Die Faustregel daraus: Ein Umweg lohnt sich vor allem bei großer Tankmenge und kurzer Zusatzstrecke. Wer nur 20 l nachtankt, sollte für mehr als 4 km Umweg einen Vorteil von über 3 Cent je Liter sehen.
Tanken im Ausland vor der Grenze
Die Spritpreise in Europa unterscheiden sich vor allem durch die Energiesteuer. Luxemburg, Österreich, Polen und Tschechien sind oft günstiger als Deutschland; Dänemark, die Niederlande, Italien und die Schweiz oft teurer. Der Abstand schwankt mit Wechselkurs und Steuersätzen und liegt je nach Land zwischen wenigen Cent und über 30 Cent je Liter.
- In ein teureres Land: vor der Grenze in Deutschland volltanken.
- In ein günstigeres Land: mit möglichst leerem Tank einreisen und dort volltanken, auf der Rückfahrt direkt vor der Grenze erneut.
- Grenzpendler: Wer ohnehin über die Grenze fährt, tankt regelmäßig im günstigeren Land; ein Umweg rechnet sich wie oben.
45 l Füllung, 25 Cent je Liter günstiger als zu Hause: 45 × 0,25 = 11,25 € Ersparnis. Liegt die Station 30 km entfernt, ergeben Hin- und Rückweg 60 km Umweg zu 60 × 0,15 = 9,00 €. Netto bleiben 2,25 € für rund eine Stunde Fahrt.
Kraftstoff im Fahrzeugtank darf aus EU-Ländern unbegrenzt mitgebracht werden, im Reservekanister abgabenfrei bis 20 l. Manche Länder verbieten oder begrenzen das Mitführen gefüllter Kanister; vor der Fahrt die Regeln von Transit- und Zielland prüfen. Bei Kartenzahlung außerhalb des Euroraums, etwa in Polen, Tschechien oder der Schweiz, können Fremdwährungsgebühren der Bank anfallen. Mehr zu Preisen und Maut im Ausland steht unter Urlaubsfahrt mit dem Auto.